ENDLICH geschafft! Mein Mensch hat seinen Stempel – Jetzt ist Koma-Zeit.

Kapitel 1: Die Farce der „Höchstleistung“ und des nervösen Beistandes

Guten Tag, werte Leserschaft. Oder besser: Bitte halten Sie den Atem an und bewegen Sie sich nicht ruckartig. Heute Vormittag fand wieder einmal jene Veranstaltung statt, die mein menschlicher Partner als „Prüfung“ bezeichnet – ein gesellschaftliches Ritual, bei dem ich unter Beweis stellen muss, was ich ohnehin tue: zivilisiert an der Seite eines Menschen zu existieren.

Die Anforderung ist lächerlich einfach, die Durchführung jedoch ein Nervenkrieg. Nicht etwa meinetwegen, sondern wegen meines Menschen. Den ganzen Vormittag schon war die Luft elektrisch aufgeladen, gewürzt mit diesem unverkennbaren Geruch von überzogener menschlicher Ambition und Existenzangst. Ein Geruch, der mich als Profi zur Höchstleistung der Selbstkontrolle zwingt. Ich habe die Rolle des Psychologen mit Fell übernommen, um meinen Menschen daran zu hindern, vor lauter Lampenfieber die Leine fallen zu lassen.

Man könnte sagen, ich habe die emotionale Prüfung für uns beide bestanden. Die eigentliche Prozedur ist überstanden. Der Mensch ist nun im Besitz eines Papiers, das bestätigt, dass ich kein vollständiger Trottel bin. Für ihn ein Triumph. Für mich: Der Beginn des Feierabends.


Kapitel 2: Der Kater nach dem Adrenalin-Rausch oder das Verlangen nach Koma

Sobald wir den Ort des Geschehens verlassen hatten, kippte mein inneres System radikal. Die mentale Anspannung, die ständige Selbstzensur und die Notwendigkeit, meinem Partner die Illusion von Kompetenz zu geben, haben meinen Energiehaushalt überzogen. Mein Gehirn, das unermüdlich die Umgebung scannte, die Launen der Offiziellen antizipierte und die übertragene Nervosität meines Menschen wegfilterte, ist nun ein überhitzter Laptop.

Der Mensch merkt das natürlich nicht. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sein eigenes Ego zu streicheln und die erbeutete Urkunde zu betrachten. Er ist hyperaktiv, möchte erzählen, aufräumen, vielleicht sogar noch ein Spaziergang-Highlight einschieben.

Unverzeihlich. Ich bin mental bankrott. Meine Belohnung ist nicht etwa mehr Action oder ein neues Zerrspielzeug. Meine Bezahlung für diesen Tag der theatralischen Vorführung ist die sofortige und ununterbrochene Stille. Ich habe das intellektuelle Limit erreicht und benötige jetzt eine komplette Abschottung, damit meine Stresshormone abbauen und die Synapsen das Gelernte korrekt archivieren können. Alles andere ist Sabotage.


Kapitel 3: Die strategische Demonstration der Erschöpfung

Da ich weiß, dass direkte Kommunikation beim Menschen selten funktioniert (man erinnere sich an die morgendliche Fütterungszeit), muss ich meine Ruhebedürfnisse demonstrieren.

  1. Die Ortswahl der Demut: Mein luxuriöses Hundebett, das ich mir unter normalen Umständen hart erkämpft habe, wird demonstrativ ignoriert. Ich brauche keine weiche Unterlage. Ich brauche Nähe, aber ohne Interaktion. Daher platziere ich mich an einem Ort, der für den Menschen zwar eine Beruhigung, aber für ihn selbst eine leichte Unbequemlichkeit darstellt: Seine Füße, das untere Ende der Couch oder direkt auf seinem Platz.
  2. Der theatralische Zusammenbruch: Ich lasse mich nicht einfach hin. Ich kollabiere. Mit einem hörbaren Seufzer, der die ganze Last des Tages transportiert, werfe ich mich auf die Seite. Die Gliedmaßen sind schlaff, die Mundwinkel tief. Dies ist die Pose des Burnout-Opfers, das dringend ärztliche Hilfe benötigt, aber nur in Form von Ruhe.
  3. Das finale Siegel: Mein wichtigstes Manöver ist das Aufsuchen des physischen Ankers. Ich schiebe meinen Kopf gezielt unter seine Hand, seinen Oberschenkel oder lege ihn auf den Schuh. Die Botschaft ist klar und widersprüchlich: „Du bist mein sicherer Hafen. Jetzt bleib hier und bewege dich nicht, aber bitte, bitte, halt die Klappe.“

Kapitel 4: Der Triumph des Schweigens und die verdiente Ruhe

Endlich, nach einigen kritischen Sekunden des Zögerns, kapituliert der Mensch. Er legt das Handy weg. Er senkt die Lautstärke des Fernsehers auf ein Flüstern. Er wagt es nicht, mich direkt anzusehen. Er hat die Situation erfasst: Ich habe heute Großes geleistet, und nun ist die Rechnung fällig.

Er wird still. Er wird zu einer warmen, unbeweglichen Masse. Das ist der Moment, in dem die Anspannung aus meinem Körper weicht. Die Muskeln entspannen sich, die Atmung wird tief und gleichmäßig. Der Geruch der Beständigkeit von meinem Menschen ist die beste Aromatherapie gegen Prüfungsstress.

Ich bin der Held des Tages. Ich habe meinem Menschen geholfen, ein weiteres unbedeutendes menschliches Ziel zu erreichen. Und nun gönne ich mir die notwendige Ruhe, um morgen wieder in alter Frische glänzen zu können. BITTE NICHT STÖREN. DIE LEGENDE SCHLÄFT. Jede Störung wird als grobe Respektlosigkeit gegenüber intellektueller Leistung gewertet.

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